Archiv für die Kategorie ‘Film’

steigende spannung

Januar 10, 2008

joy division waren von einem recht frühen zeitpunkt an wichtig. die ersten der düsteren englischen bands waren fields of the nephilim. doch dann kaufte ich mit 14 oder 15 die single-compilation “substance“ und war beigeistert. sie hatten alles, was man braucht: kälte im klang, charisma/ schicksal und stil. allein das cover von “closer” wird einigen düster-bands als beispiel gedient haben. jetzt wird das leben von ian curtis verfilmt, ich bin gespannt; die zeit hat eine schöne bildergalerie mit stills aufgeschaltet.

pädophilenjagd de luxe

September 29, 2007

eigentlich müsste man fritz langs klassiker “M - eine stadt sucht einen mörder” vor jedem kinderschänderprozess zeigen. fast schon ein dämonisch wahres stück moralpredigt, imposant in szene gesetzt von einem meister.

dankenswerterweise hat die UFA in ihrer ‘klassikeredition’ das historische material nahezu unverändert und unaufgepimpt wieder veröffentlicht. das hat zwar zur folge, dass die tonspur manchmal ausfällt und dass man an der einen oder anderen stelle einen extrem unscharfen schnitt hat. insgesamt stört aber nicht am schaugenuss, viel eher machen die einblicke ins handwerk den film im vergleich zu heutigen perfektionsmaschinen höchst sympathisch.

der inhalt ist bekannt und doch immer wieder eindrücklich. was die besonderheit des films ausmacht, ist sein spiel mit parallelen, analogen verhaltensweisen. bevor die polizei mit hilfe der zigarettenmarke des von peter lorre grandions gespielten mörders die witterung aufnimmt, haben schon kriminelle und stadtpolizei in einer perfekt inszenierten duettsitzung die gemeinsame jagd beschlossen. ähnlich gleich funktioniert der stochgebrauch der jeweiligen anführer… - und all das wiederum parallelen zu den analogen psychopathien und gewohnheiten des mörders.

herausragend die ethische frage. der kindermörder, der vor einemgeschworenengericht mit lauter verbrechern verurteilt werden soll, das dazu noch in einem keller liegt, einem keller einer in der depression pelite gegangenen und leerstehenden schnapsfabrik. ein besserer guantanamokommentar findet man in den medien seit 2001 bis heute nicht, dafür in einem spielfilm von 1931.

schaler splatter

September 26, 2007

robert rodriguez hat nun also mit “planet terror” das zweite werk der grindhouse-serie vorgelegt. im gegensatz zu tarantinos “death proof” bin ich wenig angetan. das mag einen der folgenden gründe haben:

1. ich kenne kaum einen autofilm aus den 70ern, mag aber autos und “ein colt für alle fälle” sowie “convoy“. unter diesen voraussetzungen ist es sicher spannend, das filmmotiv “auto” unter einem neuen gesichtspunkt und ästhetisch ausgereift kennen zu lernen.

dagegen habe ich schon hundert millionen splatter- und zombie-filme gesehen und finde “white zombie” wirklich klasikergruselig und “bad taste” klassikeramüsant. der rest ist quatsch. ausser vielleicht jörg buttgereit. warum also einen aufguss, der NICHTS neues macht?

2. ich bin unbedingter anhänger guter stories. nichts ist schlimmeres hollywood-prinzip, als mit andauernden spezial- und schauereffekten über eine nicht vorhandene story hinwegzuwischen. die geschichte, die rodriguez “planet terror” zugrunde legt, ist nichts anderes als “night of the living dead” mit “28 days later” verschnitten.

wenn also nachlässiger umgang mit geschichten, dann lieber postmodern gespiegelt (death proof) als gar nicht irgendetwas zitatlastiges.

3. bruce willis kann einfach mangels auftrittzeit nicht so cool auftrumpfen wie kurt russell.

4. immerhin hat “planet terror” genauso viel geschwindigkeit wie “death proof”, für einen bierreichen abend ok.

blei ist gold

September 9, 2007

eigentlich ist die geschichte in “der malteser falke” eine alchemische: dort, in der alchemie, wurde mit der parole “blei zu gold” auf chemischem weg versucht, den dingen ihren ‘wahren’ wert zukommen zu lassen. das metaphorisch gebrauchte bild, nachdem man aus blei gold produzieren könne, hat viele “alchemisten” leiden lassen und die gier der herrscher angestachelt. ohne sie wäre europa zum beispiel um einge stücke guten meissener porzellans ärmer.

der film beginnt mit einer rückblende in die zeit der kreuzzüge, als der malteserorden einem könig von spanien zum dank einen goldenen und edelsteinbesetzten falken schenkte. diese wurde allerdings von piraten geraubt und wandert seither von hand zu hand.

sam spade soll diesen vermeintlich wertvollen falken finden und erliegt vorerst dessen anziehungskraft. erst, als er sich sicher sein kann, dass alle, die in diesem wirklich dunklen film diesem schatz hinterher jagten, einer täuschung unterliegen, lässt er wieder recht vor gier walten: die begehrte statue, die am ende des filmes auftaucht, ist aus blei.

bemerkenswert sind nicht nur die spärliche ausleuchtung und die tatsache, dass der film die ganze zeit nachts spielt. erst am ende, als alle “bösen” verhaftet werden, dämmert der helle morgen. dazu kommt der abolute zynismus. spade ist kein held, der den fall klären will, sondern ein gauner wie alle anderen, der von dem sagenhaft wertvollen falken angezogen wird. höhepunkt dieses zynismus ist sein schlussauftritt als “gerechter rächer”, der auch noch die arme frau o’chaunassey hinhält bis zum nervenzerreissen und erst im letzten moment der genauso gaunerhaften polizei (und damit dem henker) ausliefert.

und so ist der spruch der alchemisten eigentlich anders herum und im wahrsten sinne wahr: das gold weckt in jedem gier. das schale gefühl der sünde, die schmeckt wie blei. und das blei kehrt als “gold” das wahre wesen der dinge aus dem menschen. eine traurige, aber schöne weisheit, die john huston eingefangen hat.

autonarr

August 18, 2007

tarantino baut seinen neuen film “deathproof” denkbar einfach auf und kristallisiert sein ästhetisches konzept auf einige wenige referenzpunkte. was ihm dabei gelingt, ist ein ausgesprochen guter amateur- und autofilm im wahrsten sinn des wortes.

das konzept ist klar: zunächst gilt es einen filmischen bezugsrahmen in einer bestimmten art und weise zu definieren. in diesem fall sind das autofilme der 70er-jahre wie “zabriski point”. von ihnen stammen die filmische ästhetik und die requisiten wie der 1971/72er chevy nova ss sowie der 1969er dodge charger, mit denen stuntman mike die mädels penetriert. dazu kommt die ingesamt höchst retro gestaltete requisite und filmtechnik inklusive stechendem gelb, titelschriften und streifen im bild sowie das grindhouse-konzept.

wie immer kommen in tarantinos filmen die außenseiter und abgestempelten des filmbusiness zum zuge, in diesem fall der 80erjahre held kurt russell und die neuseeländische xenia- und killbill-stuntfrau zoe bell. nun, beide bestbesetzungen.

die struktur und damit die handlung des films ist dankenswerterweise recht simpel. sie ist sogar dermaßen gut getrickt, dass man weder weiß, was kommt, noch das gefühl hat, alles sei eh logisch und predictable. man kann sich also getrost auf die wunderschönen besäufnise und verfolgungsjagden einlassen, ohne dass man von der spannung verlassen wird.

tarantinos eigene rolle ist die des barkeepers warren, eine unbedeutende nebenrolle, die aber in einer bar spielt, die das konzept des liebevollen, stimmigen und anspruchsvollen retro aufs schönste unter beweis stellt und vorbildlich vorführt.

mifune

August 11, 2007

endlich weiss ich, warum jacobsens film ‘mifune‘ so heißt. der schauspieler toshiro mifune spielte unter anderem in ‘rashomon‘ die hauptrolle als der räuber tajomaru. und krestens wirrer gesang im keller für seinen kleinen bruder rud ähnelt sehr dem wirren lachen und singen des räubers tajomaru, mit dem er den samurai zu verwirren versucht. das glingt ihm auch außer in der letzten episode, in der wir zuschauer wohl die wahrheit sehen.

und: kurosawa benutzt wie die dogmatiker handkamera-einstellungen. eine brüderschaft in titel und geiste.

pan’s labyrinth

Juli 31, 2007

nachdem ich del torros “pans labyrinth” anschau habe, kamen mit zwei assoziationen zu geschichten, die den wunderbaren film möglicherweise unbewußt gespeist haben.

einerseits behandelt die erzählung “the great god pan” des englischern autors arthur machen ebenfalls das thema des gottes pan, der aus einer vergangenen zeit/ anderen welt einem mädchen in der gegenwart der geschichte begegnet und sie in sein reich entführt. die junge mary erlebt den römische gott pan allerdings als einen recht schädlichen, der darüberhinaus für sich alleine und seinen kult steht.
andererseits ist ernst jüngers “auf den marmorklippen” immer wieder als eine allegorische parabel auf die “innere emigration” verstanden worden. dabei spielt die “klause”, ein angelegenes haus in der natur, in der die beiden hauptfiguren naturstudien betreiben, eine zentrale rolle als rückzugsort im wald. der böse gegner der brüder ist der oberförster, der deutliche züge der nazis trägt. der böse oberförster überlebt und die brüder verlassen den gefährlichen herrschaftsraum.

der gott pan als ein aus dem wald erscheinender künder einer anderen zeit. der wald als ort des widerstandes und die klause als vom oberförster besetztes “haus der hehren”. der ober-förster und der haupt-mann. “pans labyrinth” ist sicher nicht als eine systhese beider geschichten gedacht, und wenn sie del torro gar nicht gekannt hat, dann ruft er sie zumindest auf.