auf der lesung von juli zeh in zürich am montag wurde die autorin vom moderator als “umstritten” beschrieben. was bitte ist denn aber an juli zeh umstritten? unbestritten ist sie eine gute autorin, die mit mehr oder weniger guten büchern auf dem buchmarkt vertreten ist, nur habe ich keine erinnerung an einen “streit”, der in der öffentlichkeit über ein werk oder gar eine provokante aussage der autorin ausgetragen wurde.
streit ist ja eine durchaus niedere art der auseinandersetzung. für den literaturbetrieb kann man durchaus eine debatte erwarten, die bestenfalls öffentlich und in qualitativ hochstehenden medien ausgetragen wird. zu einer debatte gehört der gute stil und eine faire, aber harte art der auseinandersetzung. nur erinnere ich mich auch nicht an eine debatte, die von juli zehs werk ausgelöst wurde.
ich erinnere mich noch gut an die eine oder andere debatte im bereich der literatur: die walser-debatte, in jüngster zeit die eva hermann-debatte, die mit literatur wenig zu tun hatte, aber um ein buch ging, die sloterdijk-debatte um den menschenpark, maxim biller hatte eine mit seiner “esra“, zuletzt meine lieblingsdebatte um den “anschwellenden bocksgesang“. bei allen war der streit mehr oder weniger fruchtbar.
doch juli zeh gehört nicht zur riege dieser alten herren und sie hat auch keinen streit provoziert. muss sie auch nicht. nur ist sie sicher nicht “umstritten”, und ich finde es etwas traurig, dass das wort dazu verwendet wird, einen autor, eine autorin als interessant zu verkaufen. nur weil heute eben alles irgendwie “interessant” ist, muss man nicht den wichtigen worten die produktive bedeutung stehlen.
Schlagworte: biller, hermann, juli zeh, Literatur, roman, schilf, strauss, streit, umstritten, walser