eigentlich müsste man fritz langs klassiker „M – eine stadt sucht einen mörder“ vor jedem kinderschänderprozess zeigen. fast schon ein dämonisch wahres stück moralpredigt, imposant in szene gesetzt von einem meister.
dankenswerterweise hat die UFA in ihrer ‘klassikeredition’ das historische material nahezu unverändert und unaufgepimpt wieder veröffentlicht. das hat zwar zur folge, dass die tonspur manchmal ausfällt und dass man an der einen oder anderen stelle einen extrem unscharfen schnitt hat. insgesamt stört aber nicht am schaugenuss, viel eher machen die einblicke ins handwerk den film im vergleich zu heutigen perfektionsmaschinen höchst sympathisch.
der inhalt ist bekannt und doch immer wieder eindrücklich. was die besonderheit des films ausmacht, ist sein spiel mit parallelen, analogen verhaltensweisen. bevor die polizei mit hilfe der zigarettenmarke des von peter lorre grandions gespielten mörders die witterung aufnimmt, haben schon kriminelle und stadtpolizei in einer perfekt inszenierten duettsitzung die gemeinsame jagd beschlossen. ähnlich gleich funktioniert der stochgebrauch der jeweiligen anführer… – und all das wiederum parallelen zu den analogen psychopathien und gewohnheiten des mörders.
herausragend die ethische frage. der kindermörder, der vor einemgeschworenengericht mit lauter verbrechern verurteilt werden soll, das dazu noch in einem keller liegt, einem keller einer in der depression pelite gegangenen und leerstehenden schnapsfabrik. ein besserer guantanamokommentar findet man in den medien seit 2001 bis heute nicht, dafür in einem spielfilm von 1931.
Schlagworte: film noir, fritz lang, m-seine stadt sucht einen mörder, UFA